Mit Haut und Haar

Freitag, Juli 10, 2015 M. Skinci 8 Comments

Auf Twitter fragte ich ob Haarpflege ein interessantes Thema wäre und freue mich wirklich sehr über die Reaktionen und das Interesse.



Als Einstieg dazu halte ich eine kurze Übersicht über den Aufbau der Haut und unserer Haare für sinnvoll um ein klareres Bild und Verständnis für die Unterschiede oder auch Gemeinsamkeiten zu bekommen und im weiteren Verlauf der nächsten Posts darauf zurückgreifen zu können.



Haut

Oberhaut


… oder auch bekannt als Epidermis, ist unsere Barriere mit direktem Kontakt zur Umwelt. Sie besteht insgesamt aus 5 Lagen, in denen die Verhornung der Hautzellen stattfindet, bis diese schließlich in der obersten Schicht, der Hornschicht (stratum corneum), abgestoßen werden. Dieser Vorgang dauert ca. 4 Wochen, welches der Grund für diese Zeitangabe ist, die einem häufig an Geduld nahegelegt wird, wenn es um die Wirkung eines Produktes geht.
Nur sehr wenige Stoffe kommen durch das ganze Stratum Corneum. Die Zellen des Stratum Corneum sind nach ca. 2 Wochen komplett ersetzt.

Neben den Keratinozyten, unseren Hautzellen, gibt es noch andere Zellen in der Oberhaut, die wichtige Funktionen haben.

Die Melanozyten, welche die Pigmentbildung übernehmen, also bei der Bräunung beteiligt sind.

Die Merkelzellen, die Reize, wie z.B. solche durch Berührung der Haut, an das Gehirn weiterleiten.

Und die Langerhans-Zellen, sie dienen als Bote und Transporteur von Fremdstoffen an das Immunsystem.



Lederhaut


Die Lederhaut (Dermis) ist mit der Oberhaut verzahnt und ist unser elastisches Netzwerk. Diese Struktur besteht zum größten Teil aus stützenden Kollagenfasern und zu kleineren Teilen aus elastischen Elastinfasern und Retikulinfasern. Dieses Geflecht gibt unserer Haut die Spannkraft und den Halt.

Neben einer Vielzahl von Abwehrzellen und Nervenfasern befinden sich auch die Schweißdrüsen und Haarwurzeln mit den Talgdrüsen in der Lederhaut.



Unterhaut


Sie bildet unser Fettpolster und hängt stark mit der Ernähtrung zusammen, wobei sie bei Unterernährung fast verschwinden kann und bei Überernährung außerordentlich voluminös wird. In ihr befinden sich ebenfalls Schweißdrüsen und Haarwurzeln.

Die Unterhaut dient uns als Energie- und Wasserspeicher, schützt uns vor Kälte, isoliert unsere Körperwärme und verringert den Druck auf Knochen, Muskulatur und Organe.


Die Gebilde in der Unterhaut sollen Fettzellen darstellen.
Das Gebilde am Haar die Talgdrüse.




Permeabilität


Die Hornschicht spielt eine außerordentlich wichtige Rolle bei der Permeabilität (Durchlässigkeit), da sie die äußerste Schicht der Haut ist und somit dauerhaft in direktem Kontakt mit unserer Umwelt steht.

Sprechen wir ihr einen Wille zu, so ist unsere Haut gewillt alles von außen, draußen zu lassen und alles von innen, drinnen zu lassen.
Dennoch können Stoffe aufgrund ihrer Eigenschaften oder aufgrund gewisser Umstände in die Haut eindringen.
Laut 500-Dalton Regel, gelangen Stoffe mit einer Molekülmasse von 500 g/mol oder weniger in die Haut.

Faustregel: Je niedriger die Molekülmasse (innerhalb einer Inhaltsstoffgruppe), umso schneller die Penetration und umso höher das Irritationspotential.

Die oberste Schicht unserer Haut besteht aus verhornten Hautzellen (Korneozyten), die von einer Lipidmatrix umgeben sind, welche die interzellulären Räume ausfüllt und somit wie ein Kleber die Zellen beisammen hält.

Die Lipidmatrix (45-50 % Ceramide, 25 % Cholesterin, 10-15 % freie Fettsäuren und jeweils 5 % andere Lipide) ist überraschenderweise lipophil wodurch hydrophile Stoffe sehr eingeschränkt sind in der Penetration.

Zum Eindringen gibt es drei Möglichkeiten:

Der interzelluläre Weg, wobei der Name bereits sagt worum es sich handelt. Der Stoff hangelt sich durch die Matrix an den Zellen vobei.


Transzellulär können Stoffe ebenfalls in die Haut gelangen, hierbei nehmen die Stoffe den direkten Weg durch die Zellen und die Matrix hindurch.


Als dritte Möglichkeit bestehen die Haarfollikel, Schweiß- und Talgdrüsen.





Haar


Unser Haar ist ein verhornter Faden, der hauptsächlich aus Keratin besteht. Das Horn des Nashorns ist übrigens im Prinzip nichts anderes als ein dickes Haar.

Wie die Haut auch, lässt sich das Haar vereinfacht in 3 Partien unterteilen:



Haarmark


Ist im Inneren des Haares und scheint wohl aktuell noch ein kleines Mysterium zu sein, da Funktionen noch nicht geklärt sind. Es zeigte sich aber, dass dünnere Haare kaum bis gar kein Haarmark besitzen, im Gegensatz zu dickeren Haaren. Zudem lässt die Menge des Haarmarkes zu den Spitzen hin nach, scheint also für den Stand des Haares eine wichtige Rolle zu spielen.



Faserschicht


Sie ist die dickste Schicht und macht mit über 80% fast das komplette Haar aus. Viele Fasern, welche aus Faserzellen bestehen, welche wiederum aus vielen Proteinmolekülen zusammengesetzt sind, sind ineinander verdreht und von einem Klebestoff aus weichem Keratin umgeben, worin sich auch die Haarpigmente befinden.
Die Faserschicht ist für die Elastizität und Stärke des Haares von Bedeutung.



Schuppenschicht


Ist die bekannteste Schicht und wird gerne in Shampoo-Werbungen als Animation verwendet um aufzuzeigen was das Shampoo mit dem Haar anstellen könne.

Wie der Name es bereits vermuten lässt besteht diese Schicht aus ganz vielen Schuppen, durchsichtigen Schuppen, die die Pigmente der Faserschicht durchschimmern lassen.
Sie liegen zu Beginn dicht an der Faserschicht und zeigen mit dem Schuppenende zur Haarspitze. Dadurch, dass die Schuppen so flach anliegen, bilden sie eine glatte lichtreflektierende Oberfläche. Den allseits beliebten Glanz der Haare. (Gebundenes Serum spielt auch eine Rolle)

Mit der Zeit unterliegt unser Haar allerdings chemischen und physikalischen Belastungen wie Reibung und die Schuppen lösen sich an den Rändern bis hin zum Verlust ganzer Schuppen. 

Durch die nun unebene Oberfläche wird das Licht unregelmäßig gebrochen, der Glanz bleibt aus und die Haare fühlen sich rau an.






Permeabilität/Porosität


Haare haben im Durchschnitt eine Porosität von 20% wodurch eine Wasseraufnahme möglich ist, welche durch den lipophilen Film verhindert werden würde.

Je höher die Porosität umso höher die Aufnahme von Wasser und die Schädigung des Haares. Haare mit hoher Porosität sehen stumpf und trocken aus, zudem sind sie anfälliger für weiteren Schaden.





Sowohl bei unserer Haut als auch bei unseren Haaren spielt die äußerste Schicht die entscheidendste Rolle. Unterstützen wir die äußere Schutzschicht, helfen wir gleichzeitig das Innenleben bzw. das innere Material zu bewahren.
Ist dieser Schritt verstanden kann im weiteren Schritt sowohl die Haut als auch das Haar etwas tiefer gestärkt werden ohne, dass diese Aufbauerfolge durch fehlenden Schutz wieder zerfallen.

Der grundlegendste Unterschied hingegen ist wohl die Art und Weise der Erneuerung und die Reaktionen (lebende Haut vs. nur noch reagierendes Haar). 'Erneuerung' halte ich in diesem Kontext ein wenig irreführend, denn es werden keine Hautzellen oder Haarfasern erneuert, sondern ersetzt.

Bei der Haut werden täglich 1-2 (Tendenz zu einer) Zellschichten abgestoßen, bzw. fallen ab oder werden z.B. durch die Reibung von der Jeans abgetragen.

Die Haarfasern jedoch werden sozusagen raus gepresst, das bedeutet das frische Stückchen Haarfaser wollen wir wenn möglich, bei schulterlangem Haar (ich schätze 40-45 cm) 3½ Jahre lang pflegen.
Da ist ein langer Atem nötig.


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Kommentare:

  1. Interessant, dass es ein Haarmark gibt wusste ich auch nicht.
    Ich denke, viele interessieren sich für das Thema Haarfülle. Hast Du da Empfehlungen? Kieselsäure und Biotin sollen ja helfen...
    Hast Du auch einen Post zu milder Haarreinigung geplant? Ich hab seit kurzen ein Biodermaschampoo, das so flüssig ist wie das H2O-Mizellenwasser. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es auch so mild ist.

    LG, Ayfer

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    1. Haarmark ist wohl auch wenn dann nur im Kopfhaar. Kann man auch am unterschiedlichen Stand der Haare beobachten.
      Jep, Silica wirkt sich zudem auch positiv auf Knochen, Nägel und Haut aus, wobei in flüssiger Form der Aufnahmegehalt größer ist. Liegt bei 20-30%. Bei Früchten wie der Banane kann unser Körper leider nur ganz wenig vom Silica-Gehalt aufnehmen. Zudem kann der Körper Silica von Getreide (Vollkorn!) leichter absorbieren als von Gemüse oder Früchten. Bohnen sind da glaube ich eine Ausnahme.

      Gibt ja auch noch andere 'Empfehlungen' wie diese Algenerde, Wobei diese Algen nun auch eben Silica enthalten, da würde ich für mich einfach schauen, dass ich alltagskompatibles Essen finde.

      Was Biotin anstellt und ob es hilft kann ich Dir leider nicht sagen, werde zwischendurch das Thema Haarfülle mit im Auge behalten, danke dafür.

      Es kommen auf jeden Fall die beiden Schritte Shampoo und Conditioner/Haarpflege.

      Das Shampoo was Du meinst (grüne Packung ?) sieht super aus. Kommst Du damit zu recht ? Von der Formulierung scheint es mir doch recht gewöhnungsbedürftig.

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    2. Mit dem Biodermaschampoo komm ich gut zurecht. Es ist in einer grünen Flasche, ist ganz dünnflüssig und schäumt im mittleren Bereich.

      Für das Thema Haarausfall bist wohl noch zu jung;) Ich hab mir heute eine 3-Monatspackung Priorinkapseln gekauft. Bin mal gespannt, ob ich Änderungen bemerken kann.

      Ich freu mich jetzt schon auf den Haarpflegepost. Reizfreie Haarpflege zu finden ist sehr schwierig. Selbst das von Agata in ihrem Schampoo Beitrag vorgestellte Sante hat problematische Duftstoffe....

      LG, Ayfer

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    3. Hoffentlich ! Meine Onkel haben beide schon einen Kranz und das ging mit 20 bzw. 24 bei denen los.

      Die Duftstoffe sind eher ein geringeres Problem, manche Shampoos von Santé enthalten Sodium Coco Sulfate, wird auf die gleiche Weise wie Sodium Lauryl Sulfate hergestellt, nur statt nur einer Fettsäure vom Kokosöl (SLS kann sowohl von Kokosöl als auch von Petroleum hergestellt werden) wird ein Mix an Fettsäuren genommen. Da die restlichen Komponenten dieselben sind, reagieren nur statt einer eben alle Fettsäuren mit der Schwefelsäure und sind letztendlich dann Sulfate.

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  2. Das Thema Haare und Haarpflege interessiert mich auch sehr. Ich freue mich schon auf die nächsten Posts :))
    Leider habe ich auch noch nicht die richtige Pflege-Routine für mein Haar gefunden, denn ich habe einen typischen fettigen Ansatz und trockene Spitzen. Seit einiger Zeit juckt nun auch manchmal meine Kopfhaut, obwohl ich weder Schuppen noch sonstiges habe. Ich glaube das könnte an den reizenden Shampoos liegen, deshalb probiere ich es momentan mit dem Hipp Kinder Shampoo. Die Tenside sind relativ mild und Parfüm steht an letzter Stelle. Hoffentlich hilft das!!!

    LG Bumblebee :))

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    1. Auch dafür gibt es Lösungen :)

      Einige Shampoos von Hipp enthalten eine Menge Glycerin, welches neben seinen Vorteilen, für frizzanfälliges Haar eher zum Nachteil wird.

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  3. Hallo!
    Was ist denn "Algenerde"? Hab ich noch nie gehört und Google spuckt irgendwie auch nichts dazu aus....

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    1. Fossile Rückstände von Diatomeen (Algen). Ich denke damit ist Kieselgur gemeint ^^

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