Wie okklusiv ist mein Öl?

Freitag, November 24, 2017


Die Öle und Fette tragen im Wesentlichen zum breiten Spektrum der kosmetischen Produkte bei. Ein paar Grundlagen dazu möchte ich Euch heute näher bringen, für all diejenigen, die Spaß daran haben, ihre Produkte unter die Lupe zu nehmen.


Eine Barriere aus Fetten

Öl und Wasser mischt sich nicht, das kennen wir. Das bringt uns zum ersten wichtigen Punkt des Einsatzes von Fetten und Ölen: der Verlust von Feuchtigkeit.

Feuchtigkeit können wir der Haut nicht zuführen, indem wir sie nass machen. Die Haut gibt andauernd Feuchtigkeit, von innen heraus, an die Umgebung ab. Dieser Verlust an Feuchtigkeit wird als TEWL beschrieben. Wenn nun einfach nur Wasser auf der Haut liegt und verdunstet, verstärkt das insgesamt sogar den Verlust an Feuchtigkeit, weil dadurch
noch mehr Wasser nachgezogen wird. Wir möchten aber gar nicht zu viel Feuchtigkeit in Form von Wasser abgeben, also cremen wir uns ein.

Cremes enthalten Fette und Öle, die eine Schicht auf der Haut bilden. Nun wissen wir ja, dass Wasser und Fett sich nicht mischt, also sind die Fette wie TürsteherInnen, die das Wasser nicht so leicht durchlassen. Diesen TürsteherInnen-Effekt nennen wir Okklusion.

Je nachdem wie gut sich die TürsteherInnen positionieren, ist der okklusive Effekt ausgeprägt. Dabei können wir uns an ein paar Faustregeln halten:

1. Umso länger die enthaltenen Fettsäuren, desto okklusiver

Auf Olionatura gibt es zu sehr vielen Ölen die Anteile der Fettsäuren. Eine Fettsäure, die einen großen Anteil ausmacht, lohnt genauer anzuschauen und schon kann man sich ein besseres Bild über das Öl machen.

Auch eine Suche bei Google Bilder kann helfen, um zu sehen, ob die Fettsäure kurz oder lang ist. Da es nun bereits sehr abstrakt wurde, werde ich am Ende das noch einmal zusammenfassen, damit die Informationen auch brauchbar sind.

2. Das Öl muss sich für einen stark okklusiven Effekt gut stapeln lassen.

Vielleicht habt Ihr schon etwas von ungesättigten Fettsäuren gehört. Die haben andere Vorteile, schneiden für die Okklusion aber nicht ganz so gut ab. Wenn Ihr eine Fettsäure gegoogelt habt und da sind doppelte Striche in den Zickzack-Linien (Ausnahme ist die DoppelLinie mit dem O), bedeutet das, die Fettsäuren haben einen Knick pro Doppellinie.

Diese Knicke sind dort, auch wenn es nicht so aussieht. Im folgenden Bild ist zweimal dieselbe Fettsäure gezeigt. Die obere ist in der Realität aber ebenso geknickt, wie die andere auch.


Durch diese Knicke lassen sich die Fette nicht gut stapeln, das hat zur Folge, dass die Schicht, die sie auf der Haut bilden, durchlässiger ist. Zu sehen auf dem folgenden Bild, ist links die Linolsäure, die sich nicht gut stapeln lässt und wenig Okklusion bringt. Rechts Petrolatum, das Paradebeispiel für Okklusion.



3. Der Schmelzpunkt

Das Stapelverhalten spiegelt sich auch im Schmelzpunkt wieder. Je höher der Schmelzpunkt für ein Öl liegt, umso besser lassen sich die Fettsäuren stapeln. Wenn sich die Fettsäuren nicht gut stapeln lassen, verflüssigt sich das Fett schon bei geringen Temperaturen und bildet eine durchlässigere Schicht.



Für einen stark okklusiven Effekt, hat das Fett oder Öl ...

viele, lange Fettsäuren

wenig ungesättigte, also geknickte Fettsäuren

einen hohen Schmelzpunkt



Beispiele



Anhand der Tabelle ist ganz klar zu sehen, dass Petrolatum alle drei Punkte für einen stark okklusiven Effekt erfüllt. Sheabutter glänzt daneben zwar, ist Petrolatum als Okklusivum jedoch weit unterlegen.

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Kommentare:

  1. So schön zusammengefasst habe ich den Zusammenhang zwischen den Fettsäure-Eigenschaften und der Wirkung eines Öls auf der Haut noch nie gesehen, vielen Dank! Der Hintergrund macht die verschiedenen Empfehlungen auch gleich viel logischer.

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    1. Dann hat der Beitrag seinen Zweck erfüllt, Danke :)

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  2. Danke für die verständliche Erklärung und die anschaulichen Bilder!
    Mir war zwar bekannt, dass Petrolatum okklusiver ist als pflanzliche Öle und dass Pflanzenbuttern okklusiver sind als flüssige Öle. Warum genau das so ist und wie man die einzelnen Öle einordnen kann, wusste ich aber noch nicht. Danke fürs erklären!
    Besonders das letzte Bild Linolsäure vs Petrolatum ist super anschaulich fürs Verständnis.

    Wie sieht es in diesem Zusammenhang eigentlich mit Inhaltsstoffen in Cremes aus, die Wasser und Öl mischen (Tenside, Emulgatoren etc.)? Vermindern die die Okklusion, weil sie dem transepidermalen Wasserverlust sozusagen einen Weg durch die Ölschicht ermöglichen? Sodass man evtl. lieber pures Öl verwenden sollte?

    Liebe Grüße
    Anna

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    1. Hey Anna,
      Deine Frage gefällt mir! Da ich nicht absolut sicher bin, ob ich alle Aspekte aufgreife, habe ich vor ein paar Tagen einer Professorin aus diesem Bereich geschrieben, um meine Vermutung (hoffentlich) zu decken. Melde mich nochmal, wenn ich eine Antwort erhalten habe :)

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  3. Hallo, bin stille Mitleserin! Finde deinen Blog super! Jetzt hätte ich eine Frage, ich habe die Öldiagramme von Olionatura schon oft durchstudiert, mittlerweile aber wieder einiges vergessen. Meine Frage: die Okklusion hat aber an sich nicht mit der Komedogenität des Öls zu tun? Irgendwie entstand bei mir der Eindruck, das Okklusion und Komedogenität vielleicht Zusammenhängen könnten? Wäre ja aus Laiensicht irgendwie logisch: der Stoff der abdichtet, verstopft die Poren, ganz naiv gesagt. Lg Nina

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    1. Hey Nina,
      die Okklusion hat zum Glück nichts mit der Komedogenität zu tun. Petrolatum ist am okklusivsten und kann mit seiner Struktur nicht komedogen sein. ;)

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