Das Emulgator-Interview

Montag, Dezember 05, 2016 M. Skinci 3 Comments

In Zusammenarbeit mit Diana, von meinem Lieblings-Instagram-Account (diana5180) über Hautpflege und Co., ist das heute vorgestellte Quasi-Interview entstanden. Thänk jüüüü :*

Es handelt sich dabei heute um Emulgatoren, die man sich zum Großen Teil wie kleine Kaulquappen vorstellen kann. Der große Kopf/Körper ist dabei polar und löst sich in Wasser. Das Schwänzchen vom Emulgator liebt es sich im unpolaren Öl aufzuhalten. Auf diese Weise lassen sich, mittels Emulgatoren, zwei oder noch mehr Phasen mischen und stabilisieren, die sich sonst wieder voneinander trennen würden.


Gibt es gute und weniger gute Emulgatoren?

Wichtiges vorweg:
Was ist der Unterschied zwischen Emulgatoren und Tensiden?

Im Prinzip gibt es den Unterschied nicht, denn Emulgatoren gehören zu der Klasse der Tenside und sind ebenso oberflächenaktive Substanzen. Von Emulgatoren spreche ich, wenn sie dazu da sind zwei Phasen (z.B. Öl und Wasser) zusammen zu halten. Von Tensiden spreche ich, wenn ihr Zweck ist, zu reinigen.

Konzentrationen sind so unglaublich wichtig.
Meine Liste der Tenside gibt einem nur eine gewisse Verhältnismäßigkeit an. In 0.5%iger Konzentration sind einige von den irritierenden Tensiden gar kein Problem. Emulgatoren, die Emulsionen stabilisieren, werden zu einem Bruchteil der Konzentration von Tensiden eingesetzt und lassen sich nicht leichtfertig mit der Tensid-Liste vergleichen.

Wem es hilft, suche nach der elektrischen Ladung des Emulgators. Nichtionische/neutrale Emulgatoren tendieren dazu die mildesten zu sein. Kationische Tenside/Emulgatoren sind meiner Meinung nach suboptimal, da sie starke ionische Bindungen zur Haut ausbilden können, die nicht einmal die nächste Reinigung auflösen würde.
Die molekulare Masse gibt einen Einblick in die Begrenzung der Penetrationsfähigkeit. Inhaltsstoffe mit einer Masse größer als 500 g/mol haben es bedeutend schwerer (benötigen Hilfsmittel) in die Haut einzudringen um Irritationen oder Allergien auszulösen.
Zusätzlich ist eine lange Kettenlänge ein Indiz für einen Reiz-armen Emulgator.



Sind Emulgatoren, die auf der Haut verbleiben, kontraproduktiv?

Emulgatoren verbleiben generell nach dem Auftrag auf der Haut und verlieren nicht ihre Eigenschaften. Es kann somit der Auswasch-Effekt eintreten, wodurch hauteigene Lipide (Fette) durch Kontakt mit Wasser ausgewaschen werden.
Mir stellt sich die Frage, 'Wer wäscht sein Gesicht zwischendurch mit Wasser und cremt nicht nach?'.
Denn es ist schließlich so, dass meistens ein tensidhaltiges Reinigungsprodukt am Abend verwendet wird. Dies wäscht ebenso auch hauteigene Lipide aus. Wo soll da jetzt die Grenze gezogen werden?

Bottom-Line: Wenn ich meinen Hauttyp kenne, also weiß, wie sich meine Haut anfühlt, 2 Stunden nachdem ich sie gereinigt habe, ohne Verwendung von Pflegeprodukten, und bei Verwendung einer Creme merke, dass sie meine Haut trockener macht als sie ohne Creme ist, wechsel ich zu einer anderen (Vorraussetzung: Die INCI-Liste auf weitere Irritantien abgecheckt.).



Ein bestimmter Emulgator mag abschrecken, wenn er in einem Produkt vorkommt, das Reizungen auf der Haut hervorgerufen hat. Allerdings sind die Rezepturen mit ihren Irritations-fördernden und -reduzierenden Eigenschaften zu komplex, um hier pauschalisieren zu können. Da bitte ich jeden, für sich selbst sinnvoll zu entscheiden.


Sollten bestimmte Emulgatoren gemieden werden?

Noch einmal auf meine Tensid-Liste verwiesen, so bestimmte übermäßig irritierende oberflächenaktive Substanzen wie Sodium Lauryl Sulfate (SLS) vermeide ich bevorzugt auch als Emulgator. Sofern man jedoch keine negativen Erfahrungen mit einer Creme macht, sehe ich kein Grund sich noch ein zusätzliches Knock-Out-Kriterium bei der Auswahl von Hautpflege zu schaffen. Wer das möchte darf sich der großen Aufgabe stellen. ^^

Bei schwerwiegenden Problemen, mit z.B. Neurodermitis oder Schuppenflechte, tut man eventuell gut daran sich nach DMS-Cremes umzuschauen. Das sind Cremes die durch Membran-Strukturen stabilisiert und als Emulgator-frei deklariert werden (Was durchaus schwer zu verteidigen sein kann.).

Da einige, nach Verwendung solcher DMS-Cremes, von ausgetrockneter Haut berichten, würde ich mich auf jeden Fall vorher über die Reichhaltigkeit der jeweiligen Creme informieren.


Ist die Konzentration für Irritationen ausschlaggebend?

Ja! Gerne betrachte ich dafür das bekannte Sodium Laureth Sulfate (SLES), welches in üblichen Konzentrationen von Reinigungsprodukten eine durchaus beachtenswerte Irritation auslöst, während SLES unter 5%, in Rinse-off Produkten (z.B. Shampoo), absolut als mild-isch gelten kann.

Übrigens mögen Mikroemulsionen nach einer fancy Technologie klingen, die eine Next-Level-Generation an Hautpflege für uns bereithält, allerdings sehe ich bei diesen Cremes kritisch, dass, aufgrund größerer Grenzoberfläche, eine höhere Konzentration Emulgator nötig ist.


Sind Emulgatoren irritierend?

Ja, manchmal schon. Dazu wiederholt die drei wichtigen Punkte:
1. die molekulare Masse des Inhaltsstoffes anzusehen, unter 500 g/mol werde ich vorsichtig. Den Namen des jeweiligen Inhaltsstoffes + 'molecular weight' eingeben und Google serviert mir die Info häufig auf dem Silbertablett.
2. Kationische Tenside tendieren dazu, irritierender zu sein. Sie bilden teilweise starke ionische Bindungen aus, die nichtmal mit der nächsten Reinigung gelöst werden können.
3. Sich die chemischen (Struktur)-Formeln ansehen, eine lange Kohlenstoffkette ist ein Indiz für einen milden Emulgator.


Bei Reinigungsprodukten lieber einen milden Emulgator, statt Tensiden?

Auf jeden Fall! Das Prinzip des Reinigungsöls, was gewissermaßen auch die Reinigungsmilch einbezieht, ist es die Ansammlungen des Tages, mit Hilfe des Öls zu lösen und dieses dann durch den enthaltenen Emulgator abwaschbar zu machen. Öl und Wasser lassen sich nicht mischen, was bedeutet, dass eine Gesichtsreinigung mit Wasser das Gesicht nicht richtig sauber bekommt. Auch das Rubbeln mit einem Handtuch ist nicht so effektiv wie ein Reinigungsprodukt, ist zudem unnötig reizend für die Haut.

Das Hautgefühl nach der Anwendung eines Reinigungsöls ist zu Beginn etwas merkwürdig. Fühlt sich an, als hätte man nicht allen Schmutz entfernt. Helfen kann da der Hintergrund, dass eben nicht zu viele eigene Hautfette entfernt wurden. Dieses Quietsch-Gefühl nach einer Reinigung ist ein Zeichen von verletzter Hautbarriere.

Reinigungsprodukte, die auf milden Emulgatoren basieren und nicht auf Tensiden, und somit ihre Reinigungskraft durch das enthaltene Öl erhalten, sind der Hautbarriere zu Liebe bei allen Hauttypen vorzuziehen.


Worin liegt der Unterschied zwischen Polysorbat 20 und 80?

Die beiden Polysorbate haben verschiedene HLB-Werte. Der HLB beschreibt die Balance zwischen den lipophilen (fettliebenden) und hydrophilen (wasserliebenden) Eigenschaften von Emulgatoren. Diese Werte ranken nach Griffins System zwischen 0 und 20, wobei ein hoher Wert bedeutet, ein Emulgator lässt sich deutlich besser in Wasser lösen und ein niedriger Wert bedeutet, der Emulgator lässt sich besser in der lipophilen Phase (Öl- bzw, Fettphase) lösen.

Beim HLB-Wert von 10 handelt es sich um einen ausgeglichenen Emulgator, der die Phasen gleich lieb hat.



Polysorbat 20 hat einen HLB-Wert von 16,7,
Polysorbat 80 hat einen HLB-Wert von 15.
(HLB-Werte-Liste)

Polysorbat 20 ist also hydrophiler und hat zu dem eine Mizellenbildungskonzentration (Was sind überhaupt Mizellen?), die 5-mal so hoch wie die von Polysorbat 80 ist. Das heißt wir brauchen von Polysorbat 80 nur eine geringere Konzentration, um eine Creme zu stabilisieren.

Letzten Endes verlangen unterschiedliche Öle nicht gleich dieselben HLB-Werte um in einer Creme dispergiert (verteilt) zu werden, wodurch die Entscheidung, ob Polysorbat 20 oder 80, uns nicht von einem Produkt abhalten sollte, sondern schlicht von den Leuten getroffen wird, die wissen was gut für das Produkt und dessen Verwendung ist.


Können Emulgatoren Wirkstoffe die über ein paar Tage in der Haut wirken beeinflussen?

Für Emulgatoren allein, deren molekulare Masse größer als 500 g/mol ist, sehe ich keine reelle Chance, Klassiker wie Vitamin A und C, die noch Tage nach der Absorption aktiv sind, merklich zu beeinflussen.


Warum sollte man Produkte wie Reinigungsöl und Conditioner vor dem Abspülen grundsätzlich erstmal lieber aufemulgieren?

Emulgatoren lösen sich teilweise sehr gut in Wasser, jedoch niemals so gut, wie sich Wasser in Wasser lösen lässt. Wenn wir also im ersten Schritt eine kleine Menge Wasser nehmen und mit dieser unser Reinigungsöl aufemulgieren, dafür sorgen, die Emulgatoren gut im Wasser zu lösen, brauchen wir im nächsten Schritt nur noch mit neuem Wasser die Wassermoleküle, an denen die Emulgatoren hängen, an denen wiederum das Öl hängt, in dem wiederum der Schmutz gelöst ist, abspülen.

Das funktioniert besser, als gleich nur mit viel Wasser zu versuchen, das Reinigungsöl abzuwaschen.


Gibt es bestimmte Stoffe in der Haut, die durch Emulgatoren ausgewaschen werden können?

Erst kürzlich hast Du auf Instagram über die beiden Klassiker-Masken von Paula's Choice berichtet. Unter anderem ging es dort um das schäumende Verhalten der Maske. Interessanter Weise hinterlegt PC keinem Inhaltsstoff der Maske für trockene Haut die Funktion eines Emulgators. Das müssen sie natürlich auch nicht, dennoch hinterlegen sie jedem Inhaltsstoff dieser Maske eine Funktion in Klammern.

Eine Emulsion aus mindestens einer lipophilen und einer hydrophilen Phase ohne Emulgator. Dazu braucht es keinen Master um zu wissen, dass das Blödsinn wäre. Also gibt es hier mindestens einen Emulgator in dieser Maske. Dieser Emulgator ist auch in einem Überfluss vorhanden, als es für die Stabilität der Maske nötig wäre.

Warum? Durch den erhöhten Emulgatoranteil, kann die Maske einen hohen Fettanteil vertragen und trotzdem am nächsten Morgen noch gut abgewaschen werden. Viele waschen ihr Gesicht am Morgen nur mit Wasser!

Dadurch können nun zwei Sachen passieren: Zum einen können hauteigene Fette ausgewaschen werden. Daran würde ich keine großen Gedanken verschwenden, da ein Reinigungsprodukt generell dazu auch in der Lage ist und wir trotzdem nicht aufhören unser Gesicht zu waschen.
Zum anderen bilden diese Fette eine okklusive Schicht auf der Haut, wodurch sich der Wassergehalt der Haut erhöht. Der transepidermale Wasserverlust sink damit. Yaaaaaaay.
Dieses aufsteigende Wasser in der Haut könnte allerdings die überschüssigen Emulgatorenanteile aus der Maske herrauslösen und unter der okklusiven Schicht eine Tensidlösung über Nacht bilden (einfach nur die Emulgatoren in dem Wasser gelöst) und so die Hautbarriere über Nacht reizen.

Aufgrund des überaus theoretischem Background ist auch hier Eigeninitiative gefragt. Wenn eine Maske für 20 Minuten Einwirkzeit ausgelegt ist und diese als Nachtcreme verwendet wird, weil günstiger, ist Aufregung bei böser Überraschung unangebracht. Unsachgemäße Verwendung ist Eigenverantwortung.


Welche Kombi sollte ich meiden?

Kombinationen würde ich nicht meiden. Es gibt sicherlich Kombinationen die ungeeignet sind und hoffentlich von den Entwicklern eines Produktes ausgeschlossen werden, allerdings sind wir nicht in der Lage das von außen vernünftig zu beurteilen.

Kombinationen von passenden Emulgatoren haben den wunderbaren Vorteil, dass sie die Grenzflächen zwischen den beiden Phasen besser benetzen können und zu stabileren Emulsionssystemen beitragen.




Können Emulgatoren die Haut pflegen und wenn ja, wie funktioniert das und welche sind das?

Tatsächlich ist das möglich! Lecithin und Lanolin sind mir da die einzig bekannten, dessen Wirkung unabhängig bestätigt ist. Sicherlich lassen sich aber auch weitere Emulgatoren finden. Dann hoffentlich nicht nur unterstützt von den werbenden Aussagen der jeweiligen Firma.

Die Funktionsweise bei Lecithin und Lanolin ist denkbar simpel: Fettsäuren. (Bei Lanolin auch Sterole wie z.B. Cholesterol.)


Worauf bei Produkten mit Emulgatoren achten?

Emulgatoren sind ein sehr spannendes Thema, wenn man sich für Hintergründe von Hautpflegeprodukte interessiert, so kann man sich schnell ein anfängliches Bild eines Emulgators anhand seiner chemischen Strukturformel und der molaren Masse machen.

Bei sehr beanspruchter Haut kann es sich lohnen, einen weiteren Blick in pflegende Emulgatoren und DMS-Cremes zu werfen (Bei Google nach 'Dermal Membrane Structure Creme' suchen.).
Sollte eine Creme sich negativ auswirken, diese absetzen, so simpel ist das.

Ich kann nur darauf vertrauen, dass die Emulgatoren in angemessener Konzentration verwendet werden, die Entwickler unnötige Kosten vermeiden, aber wer kann uns schon glaubhaft sagen, dass das überall so ist?




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Kommentare:

  1. Hi,
    spannendes Thema! Auch das Interview-Format gefällt mir gut.
    Was ich aber ein bischen vermisst habe, ist das umstrittene Thema PEGs. Vielleicht gibt es dazu ja einen Teil 2?
    Das Problem bei PEGs ist ja, dass sie so instabil sind und bei Licht- und/oder Luftkontakt Peroxide bilden, die reizend bis schädlich für die Haut sind. Ich bin mir daher immer noch unsicher, ob ich sie nur in Creme (vor allem Sonnnencreme!) meiden muss oder auch generell bei Reinigungsprodukten.
    Liebe Grüße und danke für Deinen tollen Blog!
    Lisa

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    1. Einen zweiten Teil wird es leider nicht in nächster ZZeit geben können.

      Bei PEGs kann das der Fall sein im Zusammenspiel mit Metallen. Dafür hat in der Regel eine Creme Inhaltsstoffe, die Metalle chelatieren. Somit würde die Oxidation zum Peroxid durch Metalle nicht zustande kommen. Da PEGs in Irritationstests gut abschneiden und bis zu 100% erlaubt sind mache ich mir da wenig Sorgen.

      Liebe Grüße,
      Skinci

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    2. Inwiefern noch weitere Möglichkeiten zum oxidieren bestehen, weiß ich so nicht. Das würde ich bei Gelegenheit nachschauen und dann nochmal auf Dich zurückkommen.

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